der traum vom pferdezüchten

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Der Weg ist steinig und teuer um die Erfahrung schöpfen zu können, Pferdezucht ernsthaft zu betreiben

Ich will mich nicht lange mit einem Vorwort aufhalten. Es ist mir schnell bewusst geworden als ich vor wenigen Jahren in die Zucht von Pferden einstieg, dass ich mich mehr mit einer Wissenschaft beschäftige als mit dem wildromantischem Traum mein Leben mit meinen Stuten zu verbringen. Viele Lektüren und Kurse der Landwirtschaftskammer später , bewahrheiteten sich meine ersten Zugänge in das Thema, über die Betriebswirtschaftlichkeit.

 Ich habe mir erlaubt, hier einige Punkte zu meinem Konzept und meinem Wissenstand auf zu schreiben und der Öfftenlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Zuchtwertermittlung
Bei diesem Punkt bedarf es viel Gespür, Wissen und Information.

 

Anmerkung: das ist ein wesentlicher Punkt den ES ZU ermitteln und bewerten GILT.

  • Genetische Anlagenermittlung der vorhandenen Pferde:
    genetische Varianz/Zuchtwertschätzung
    objektive Erfassbarkeit
    ökonomische Relevanz
Zuchtplanung
  • Ermittlung der gewünschten Eigenschaften wie:
    Harmonie, Schönheit, Bewegung, Abstammung, korrektes Fundament, Interieur und Exterieur
    Ziele der Selektion auf der Basis der gegenwärtigen Erkenntnisse
    (biologisch, genetisch)
Zuchtvarianten
Linienzucht
ist das Denken in Generationen und die „Hinarbeit“ auf stabilen Erfolg

In der Linienzucht achtet man eher auf eine langsame Entwicklung der genetischen Veranlagung auf Basis der weit entfernten Verwandten Zuchttiere. Diese Zucht bringt immer wieder Brillanten hervor und ist ein Ergebnis von jahrelangen konsequenten Anpaarungen von wertvollem Genmaterial. Das Risiko eines zu nahestehenden Erbguts kann sich im Gegensatz zur Reinzucht nicht zu stark durchsetzen. Der Erfolg ein gutes Leistungspferd zu züchten, potenziert sich allerdings meist erst in mehreren Generationssprüngen.

Die Anpaarung

nach eigenen Vorlieben ohne die Bewertung der genetischen und leistungsbezogenen Gemeinsamkeiten ist ein Glücksspiel! Die diverse Anpaarung ist ein Spiel mit einer 50:50 Chance. Meist in der Hobbyzucht befindliche Menschen, suchen nach den Aspekten der eigenen Stute einen ihren Vorstellungen entsprechenden „Lieblingshengst“ aus.
Hier wird wenig Rücksicht auf die Selektion und die Zuchtwertschätzung (beurteilte Vorleistung durch Zuchtverband und Sportleistung) der Pferde genommen. Was nicht heißt, dass es durch solche Anpaarungen nicht auch Glanzstücke gibt. Allerdings sinkt die Wahrscheinlichkeit stark, dass es sich um ein herausragendes Sportpferd handeln wird.

Das Thema Reinzucht oder Passeranpaarungen erläutere ich nach meinem Wissenstand in einem anderen Blog zu einer späteren Zeit.

Der Weg ist das Ziel

Die vorherigen Zuchtvarianten erklären schnell, dass ein Zuchtprojekt RISIKO, GELD und ZEIT beansprucht. Schnell mal einen Sportcrack zu züchten gelingt nur im Glücksfall. Jahrelange Selektion ist also ein Muss um ein Pferd für die oberen 10.000 auf den Markt zu bringen.
Der Traum zum Pferdeverkauf im 6 stelligen Bereich hat aber auch mit Kontakten in die Investitions-/ Elitegesellschaft und Pferdewirtschaft zu tun, wobei die zahlungskräftige Zielgruppe sich im internationalem Feld des Sports und der Zucht bewegt.

Es ist nicht alles Gold was glänzt. Um die Investition in die Zucht möglichst klein zu halten, sind Pferde, bei denen sich kein großes Potenzial abzeichnet, bald zu verkaufen!

 

Verkaufschancen – Zielgruppe

Da wir davon ausgehen müssen dass wir die ersten Jahre unserem Traum hochpreisige Pferde in die Zucht und in den Sport zu verkaufen vielleicht nicht sofort erreichen, ist es wichtig die Zielgruppen im Pferdebusiness zu definieren:

Freizeitsport
Amateursport
Profisport
Zucht
Wirtschaftselite mit Pferdefaible oder entsprechend ehrgeizigen Kindern, welche sich im Pferdesport sehen

Produzierte Zuchtprodukte sollten also unbedingt in eine dieser Zielgruppen passen. Immer mit dem Hintergedanken das BESTE PFERD zu züchten, müssen aber auch Abschnitte gemacht werden. Wenn es nicht das beste Pferd geworden ist, dann bei gutem Wind schnell in einer der ersten beiden Zielgruppen verkaufen!

Achtung die Branche ist bekannt für Neid, Gier und Betrug. So schön das Pferdebusiness ist, so skrupellos kann es sein!

Gibt der Freizeitreiter durchschnittlich €6.000 Euro für ein Pferd aus, kann man im Amateurbereich bereits zw. 15-30.000€ aber auch etwas mehr erwarten.

Die Züchterschaft investiert natürlich nur in züchterisch wertvolle Tiere, mit entsprechendem Pedigree (Seltenheitswert oder Mode Wert). Hier gibt es in Deutschland gute Beispiele, dass auch Pferde um Millionensummen den Besitzer wechseln.

Die meisten Profis haben ohne einen Investor oder Rückhalt der Elite keine Kaufkraft. Es handelt sich um Menschen, welche ihr Leben für den Sport umgekrempelt haben und mit hohem Idealismus und oftmals starken finanziellen Abstrichen gerade mal über die Runden kommen.

Die Elite spricht bekanntlich nur mit der Elite und bleibt gerne unter sich.

Im A-Pferd steckt noch Wachstumspotenzial. Die Community ist überschaubar und steckt in den Anfängen ihrer Entwicklung.

Wenn wir uns Österreich mal ansehen sprechen wir von ca. 400.000 Menschen welche Reiten oder Fahren. Nur 2% davon bedienen den Sport (Amateur und Profi).

Die Zahlen stammen aus 2012 und haben sich bis dato nicht wesentlich verändert.

2014 gab es eine Pferdezählung bei der man ca. 120.000 Pferde ermitteln konnte (aller Rassen). Dunkelziffer unbekannt.

12.753 Turnierpferderegistrierungen verzeichnet der OEPS (Österreichischer Pferdesportverband) 2017 davon sind 2.027 Pferde, sogenannte A-Pferde Warmblüter, über 8.000 sind aus anderen Zuchgebieten, der Rest sind andere Rassen.

8.000 Pferde aus anderen Zuchgebieten (meist Deutschland) sind noch nicht mit A-Pferden besetzt!


Grundpfeiler der Kalkulation
Kosten für 12 Monate einer Zuchtstute ohne Verletzungskalkulation (TA)
Im Bestfall wird die Stute im Geburtsjahr ihres Fohlens gleich wieder besamt. Ob das so gut ist, wird ein andermal diskutiert.
Kalkulation Stute im Erhalt

Je nach Möglichkeiten sollten bei bester Verpflegung die Grundkosten eher gering gehalten werden:
Meine persönliche Kalkulation und aktuelle Kosten (jährl.) wie folgt:

Zuchstute:
Rau- und Kraftfutter, Einstreu, Wasser, Strom, Personal
1,920€
Hufpflege
150€
Impfungen und Entwurmungen
300€
Versicherung
200€
Div.
300€

GESAMT: €2.870,-

Der Platz im Sinne der Geräumigkeit von Weide, Stall etc., die richtige Fütterung und die Fürsorge sind zwar keine Garantie aber bereits ein großer Vorteil zur Gesunderhaltung der Pferde und Eindämmung der TA Kosten.

Kalkulation Stute -Bedeckung

Die Besamung der Stute findet bei uns in den Monaten März – Juni statt. Hierdurch entstehen einmalige Kosten:

Hengstsamen
1000 – 1500€
TA für Bedeckung
450€
Vor und Nachuntersuchung (Ultraschall etc.)
100€
Versorgung nach Geburt:
100€

GESAMT: €1650,- bis €2150,-

Das Risiko der Aufzucht ist nicht kalkulierbar. Wenn der Preis passt, ist meiner Meinung nach, das Geld zu bevorzugen! Mind. eine 50er Marge soll das Ziel sein. Bei mäßiger Qualität ist dies nicht zu beachten – da gilt WEG ist WEG und kostet kein Geld mehr!
Kalkulation Stute – mit Fohlen

Das erste Halbjahr entstehen keine nennenswerten Kosten mit dem Fohlen, vorausgesetzt es ist gesund.

In dieser Zeit ist es wichtig den ersten Vertriebsweg ein zu schlagen. Fohlen verkaufen sich im ersten Halbjahr immer wieder gut.

Fohlenchampionate und Präsentationen unterstreichen die Qualität und unterstützen das Vorhaben eines lukrativen Verkaufs. Sollte das Fohlen den Erwartungen eines Spitzenpferdes erfüllen, ist immer noch zu überlegen in die weitere Aufzucht zu investieren. Immer im Gedanken an das Risiko der nächsten 3 Jahre!

Vertriebszeit-Beginn

Nur außerordentliche Pferde können nun den Vertriebsweg einschlagen

Aufzucht

Nach dem ersten Halbjahr sind viele Fohlen so verwachsen dass man nur schwer Qualität und körperliche Beschaffenheit, blickgenau eruieren kann. Es gibt nur wenige Kenner und Könner.

Die Kosten bis dahin stellen sich wie folgt dar (gerundet):
Erzeugungskosten inkl. Stute 5.000€
Aufzuchtskosten bis 2,5 Jahre: 5.000€
GESAMT: 10.000€

Das ist also der Mindestpreis ohne Gewinn eines 2,5 J. Pferdes welches in einer kleinen exklusiv Zucht heranwächst und wo Rohstoffe und Arbeitszeit berechnet werden müssen.

Der nächste Vertriebskanal beginnt aber genau JETZT, also wenn das Pferd ca. 2,5 Jahre alt ist.
Als rohes Jungpferd mit Zukunftsperspektive sind ca. max. 15.000€ Marktwert üblich. Wenn es uns gelang ein Spitzenpferd zu kreieren, wesentlich mehr…. Ansonsten beginnt nun die Zeit der Ausbildung oder Vorbereitung für Hengst- oder Stutleistungsprüfungen.

Weitere Grundpfeiler der Kalkulation

Ein Reitpferd welches man nicht reiten kann hat keine anerkennung als solches und ist somit kein Reitpferd und am Markt nur durch besondere Qualität platzierbar

Ausbildung des Jungpferdes

Hierzu gibt es einige Varianten:

Selber machen – bedarf einer Reitanlage

Profi bezahlen – kann unzuverlässig sein und bedarf starker Eigenkontrolle – außerdem meist sehr teuer! Monatl. rund 1500€ (Einstellkosten + Profiberitt + Nebenkosten wie Hufschmied TA Equipment etc..

In Österreich, Pferdezentrum Stadl Paura -professionelle Ausbildung mit allen Vorzügen eines Reitbetriebs. Möglichkeiten der Vorbereitung div. Zuchtpferdeprüfungen (Körung, Stutleistungsprüfungen etc… Spezieller Tarif für A-Pferde monatl. lt. letzter Information ca. 670€ exkl. Hufschmied und TA

Es ist eine Mindestzeit von 6 Monaten für eine Grundausbildung eines Pferdes zu rechnen.
Es gibt Pferde die bis zu 12 Monate brauchen um ihr Potenzial zu entfalten!

3j aufsteigen und Reiten kostet von der Idee bis zur Realität rund 15.000€

Ausgegangen wird nun im Beispiel, von der Entscheidung das Pferd für weitere Ausbildung nach Stadl Paura zu geben.
Rund €5000,- enstehen dort in der Ausbildungszeit von ca 6 Monaten. Über den gesamten Zeitraum von der Bedeckung der Stute bis zum 3j. Pferd sind also 15.000€ an Kosten angefallen.

Mein Konzept der Wunschpferdemacherin kalkuliert mit insg. 3 Zuchtstuten. – WARUM –

Hier habe ich vom Kostensektor den Bestfall aufgezeigt. Es gibt Fohlenaporte, Stuten sterben, Unfälle der Fohlen welche den Wert mindern oder diese aus dem Leben nehmen…etc…In meiner Versicherungsprämie sind immer nur die ersten 5000€ Euro (Also 1Jahr Stute samt Besamung und Geburt) gedeckt und zwar in einer Lebensversicherung mit Zucht und/oder Sportuntauglichkeit. In der Hochrechnung sagt man, dass in der Fohlenproduktion mind. 30% schief gehen. Ich decke damit mein Ausfallrisiko und habe bei 3 Stuten immer die Chance einen Verlust mit einer anderen Stute und deren Fohlen zu deckeln.

Investition muss gut überlegt sein… Großes Denken hilft in der Sache jedenfalls!

Erste Schritte in die Verwirklichung

Wo können Haltungs-Kosten optimiert werden?
Thema: Futter, Strom, TA, Hufschmied, Personal

Welchen Zuchtwert haben die vorhandenen Pferde?
Thema: Mutterstämme, weitere Ahnen in der Zuchtwertschätzung

Kann der Zuchtwert beim aktuellen Nachwuchs gesteigert werden durch bspw. Zuchtbewertungen und Prüfungen durch die Kommissionen?
Thema: Ausbildung und Prämierung

Pferdezuchtanlagenermittlung:
Wie viel Platz an Weide ist vorhanden?
Können Hengste wie Stutfohlen gesondert aufgezogen werden ab einem Jahr? Oder muss man Hengstnachwuchs auslagern?

Wie viele Pferde fasst die Anlage gesamt?
Wie viele Fohlen sollen/können jährl. produziert werden?
Ist eine Erweiterung der Trainingsmöglichkeiten geplant um Ausbildung direkt im Heimatstall zu betreiben und potenziellen Käufern Pferde entsprechend vor zu stellen?

Damit Zufriedenheit nicht zu Stillstand führt, sind Ziele und Visionen immer ein Antrieb

Welche Kooperationspartner sind interessant?
Hengststationen, andere Zuchtbetriebe, AWÖ und ZAP, andere Zuchtgebiete, Investoren etc…

In welchem Stil will man Marketing betreiben?
Pferdekauf ist nicht nur eine Bedarfsdeckung sondern vorerst ein Emotionskauf

Welche Vertriebskanäle werden eingeschlagen? Internetauftritt, Social Media, Züchterveranstaltungen, Verkaufspräsentationen intern wie extern, div. Pferdeverkaufsportale im Netz etc…

 

 

 

 

 

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